Girokonto im Todesfall

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Girokonto im Todesfall 2018-09-17T15:32:02+00:00

Girokonto im Todesfall – Was ist nun zu tun?

Im Todesfall von einem nahen Angehörigen kommt nach den ersten Regelungen rund um die Bestattung die Klärung der Frage hinzu, was mit dem Bankkonto des Erblassers passieren soll.

Wie erfährt die Bank von einem Nachlassfall?

Im Optimalfall melden direkt die Erben den Tod der betreffenden Person an das kontoführende Kreditinstitut. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass Mitarbeiter der Bank über die Todesanzeige in der Tageszeitung davon erfahren. Häufig findet gerade bei älteren Menschen ein so genannter Rentenrückruf statt. Die gesetzliche Rentenversicherung fordert zu viel gezahlte Rente zurück, da diese dem Leistungsempfänger nur bis zum Todestag zusteht. Die Überweisung des Geldes erfolgt immer zum Monatsende für den Folgemonat. Daher kommt es zu einer Überzahlung im Sterbefall.

Erste Schritte

Zunächst einmal sollte man in den Unterlagen des Verstorbenen nach existenten Konten suchen und Kontakt mit der oder den betreffenden Kreditinstituten aufnehmen. Diese verlangen als amtlichen Nachweis die Sterbeurkunde, welche häufig im Original vorgelegt werden muss. Anhand dieser nimmt das kontoführende Institut verschiedene Prozesse vor, da der Verstorbene seine Zahlungen nicht mehr selbst ausführen kann. Neben der Sperrung der Debit- und Kreditkarten sowie des Online-Banking-Zugangs ergänzt die Bank häufig hinter dem Namen des Kontoinhaber einen zusätzlichen Nachlassvermerk. Außerdem besteht seitens des Kreditinstituts die Pflicht, das Guthaben vom bestehenden Konto und aller weiterer Sparkonten, Tagesgeldkonten, Termingelder, existierender Schließfächer vom Todestag an das Finanzamt zu melden. Dieses erfasst aus den gemeldeten Summen eine eventuell anfallende Erbschaftssteuer.

Regelmäßige Zahlungen wie Daueraufträge und Lastschriften können nach Rücksprache mit dem Erben oder Bevollmächtigten erst einmal weiterlaufen. So bekommt der Vermieter bis zur Wohnungsauflösung seine Miete überwiesen. Telefonkosten müssen bis zur Abwicklung des Telefonvertrages gezahlt und weitere wiederkehrende Buchungen durchgeführt werden. Danach ist es sinnvoll, eingerichtete Daueraufträge zu löschen. Automatische Abbuchungen stoppen ebenfalls, sobald die Information über den Tod an die betreffenden Versicherungen, Telefongesellschaften usw. geht. Die Kosten, die rund um die Bestattung des Verstorbenen anfallen, können gegen Rechnungsvorlage überwiesen werden. Die Bank klärt ab, wie lange die Zahlungen noch erfolgen und wann nach der Abwicklung des Nachlasses das Girokonto aufgelöst oder umgeschrieben werden kann.

Die Einräumung einer Vollmacht über den Tod hinaus

Es ist ratsam, bereits zu Lebzeiten eine Person für finanzielle Angelegenheiten zu benennen und bei der Bank eintragen zu lassen. Diese Vollmacht gilt über den Tod hinaus und vereinfacht die Kommunikation. Der Bevollmächtigte darf Auskünfte erhalten und Verfügungen über das Konto vornehmen. Oft ist es sinnvoll, die hinterlegte Postadresse auf diesen zu ändern, um den Versand der Kontoauszüge weiterhin zu gewährleisten. Bei Bedarf stellt die Bank eine Debitkarte auf den Namen des Bevollmächtigten aus, so dass auch mit Eintreten des Todesfalls Verfügungen am Geldautomaten möglich sind.

Die Erben

Darüber hinaus gibt es grundsätzlich einen oder mehrere Erben. Diese müssen nicht zwangsläufig die gleiche Personen sein, wie der Bevollmächtigte. Den Erben steht es zu, eingeräumte Vollmachten zu widerrufen. Er legitimiert sich gegenüber der Bank mit einem vom Amtsgericht eröffneten Testament des Verstorbenen oder mit einem Erbschein. Letzterer wird nach Prüfung vom Nachlassgericht ausgestellt. Sind mehrere Erben vorhanden, sollten diese einen bestimmen, der in deren aller Namen die Abwicklung der Hinterlassenschaft vornimmt. Handelt es sich um ein kleineres Guthaben auf dem Girokonto kann das Kreditinstitut auf solche gebührenpflichtige Nachweise verzichten und stattdessen eine Haftungserklärung aller Erben hereinnehmen. Darin wird festgehalten, dass eventuell noch auftretende Erben ihre Forderungen nicht gegenüber der Bank geltend machen dürfen. Hierzu verweist die Bank auf die in der Haftungserklärung genannten Personen.

Umschreibung auf Ehegatten

Besteht ein Gemeinschaftskonto auf die Namen eines Ehepaares, so kann dieses auf den überlebenden Ehegatten umgeschrieben werden. Dazu muss allerdings bei Vertragsabschluss eine entsprechende Klausel vereinbart worden sein. Diese Vereinfachung kann in diesen Fällen immer gewählt werden und ist unabhängig von bestehenden Vollmachten oder der Erbfolge.

Erben im Ausland – Notwendigkeit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung

Sobald ein Erbe im Ausland gebietsansässig ist, muss dieser nachweisen, dass er keine Steuerschulden in Deutschland hat. Dies kann er mit Hilfe einer so genannten Unbedenklichkeitsbescheinigung vornehmen, welche er vom Finanzamt nach erfolgreicher Prüfung erhält.

Die Legitimation gegenüber der Bank

Unabhängig davon, in welcher Eigenschaft eine handelnde Person gegenüber einer Bank oder einer Sparkasse auftritt, muss diese sich, soweit noch nicht geschehen, legitimieren. Dafür verlangt die Bank die Vorlage eines gültigen Personalausweises oder eines Reisepasses. Dies bildet die Grundlage um einerseits zu prüfen, ob die angegebene Person dieselbe ist, die sie vorgibt. Zum anderen dient die Ausweisvorlage der Kontrolle, ob es sich um die in den Erbdokumenten genannte Person handelt.

Im Zuge einer Nachlassabwicklung ist es insgesamt ratsam, sich bereits zu Lebzeiten mit dem Thema auseinander zu setzen, um später die Abwicklung für die Bank und die Erben zu vereinfachen. So werden eventuell aufkommende Ungereimtheiten von vorne herein beseitigt und der Prozess beschleunigt sich.

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