Girokonto oder Gehaltskonto?

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Girokonto oder Gehaltskonto? 2018-09-10T15:10:26+00:00

Girokonto oder Gehaltskonto – Wo ist der Unterschied?

Girokonto? Gehaltskonto? Gibt es da eigentlich einen Unterschied? Oder ist das alles das Gleiche? Dazu ist ein genauer Blick auf die beiden Kontenarten und ihre Eigenheiten sinnvoll.

Definition Girokonto

Ein im Bankgewerbe sogenanntes Kontokorrentkonto ist ein üblicherweise als Girokonto bezeichnetes Zahlungskonto. Der Begriff ‚Kontokorrent‘ bezeichnet kurz gesagt die Abwicklung einer Geschäftsbeziehung mit dem Ziel, gegenseitige Zahlungen zu verrechnen. In dieser Geschäftsbeziehung ist mindestens einer Kaufmann. Das ist durch die Bank bereits gegeben. Aus heutiger Sicht ist das Girokonto eine Selbstverständlichkeit. Wir erhalten Zahlungen unterschiedlicher Art auf das Konto und überweisen Geld an andere Konten, heben Bargeld ab oder erlauben Dritten durch Lastschriften Geld von dem Girokonto zu entnehmen.

Tatsächlich hat das Girokonto aber eine lange Historie. Erste kontenmäßige Verrechnung unter Kaufleuten gab es bereits im Mittelalter in Europa. Hamburg war innerhalb Deutschlands Vorreiter, denn hier begann im 17. Jahrhundert der Giroverkehr, allerdings noch auf Kaufleute beschränkt. In Gesamtdeutschland führte die Gründung der Deutschen Reichsbank im 19. Jahrhundert zu einer Verbreitung. Erst die Deutsche Reichspost, die im Jahre 1871 gegründet wurde, sorgte dafür, dass sich im Laufe der Jahre die Postscheckämter als Bank für Normalbürger etablierten. Es war ein weiter Weg zu den Bankautomaten und dem Online-Banking der Gegenwart.

Definition Gehaltskonto

Das Gehaltskonto ist eine Unterart des Girokontos. Es handelt sich dabei um Girokonten, auf denen regelmäßige Gehaltseingänge zu verzeichnen sind. Als Gehaltseingänge werden aber nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit oder einem beamtenrechtlichen Arbeitsverhältnis berücksichtigt. Renteneinkünfte werden im Regelfall auch als ‚Gehaltseingang‘ angesehen. Es ist also deutlich abzugrenzen von den Geschäfts- und Firmenkonten, die Selbstständige und Freiberufler einrichten müssen. Die Geschichte des Gehaltskontos ist deutlich jünger. Sie beginnt erst in den späten fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Große Unternehmen und Behörden drängten darauf, dass ihre Beamten und Arbeitnehmer Gehaltskonten bei Banken, Sparkassen oder der Post einrichteten, damit bargeldlos überwiesen werden konnte. Die Zahlung per Lohntüte war zu aufwändig geworden.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Selbstverständlich gibt es viele Gemeinsamkeiten, große Teile der Rechtsgrundlage und Geschäftsbedingungen sind gleich oder mindestens ähnlich. Ob ein Girokonto einfach nur ein Girokonto ist oder ein Gehaltskonto: Online-Banking beispielsweise ist bei beiden Kontenarten weit verbreitet. In Deutschland werden schon jetzt mehr als die Hälfte der Girokonten (die ja teilweise auch Gehaltskonten sind) online geführt. Wesentlicher Unterschied ist das Vorhandensein oder die Höhe der Gebühren beim Giro- oder Gehaltskonto.

Gebührenstruktur beim Gehalts- und Girokonto

Das Girokonto ist in der Regel gebührenpflichtig. Selbständige und Freiberufler zahlen Kontoführungsgebühren und gegebenenfalls auch Gebühren für Einzelaktionen wie Überweisungen etc. Diese Gebühren sind steuerrechtlich Betriebsausgaben und werden den Einnahmen gegenüber gestellt. Auch jemand, der keine regelmäßigen Einnahmen hat, zum Beispiel Privatier ist und von seinen Rücklagen lebt, kann sich bei den Banken ein entsprechend meist gebührenpflichtiges Girokonto einrichten lassen. Anders sieht es hingegen beim Gehaltskonto aus. Oft werden diese – gerade bei online geführten Konten – gebührenfrei angeboten, wenn auf dem Konto regelmäßige Gehaltseingänge zu verzeichnen sind.

Kreditkarten und Geldautomatennutzung

Viele Banken geben mit der Kontoeröffnung Kreditkarten aus und eröffnen parallel ein Kreditkartenkonto. Das ist sowohl für das Giro- als auch für das Gehaltskonto möglich. Einige Banken bieten darüber hinaus eine weltweit kostenlose Geldautomatennutzung über die Kreditkarte an. Hier lohnt sich also der Vergleich zwischen den Banken.

Guthabenzins und Dispositionskredit

In Niedrigzins-Zeiten muss man sie zwar suchen, aber die eine oder andere gibt es noch: Banken, die auf Guthaben auf dem Konto noch Zinsen zahlen, wenn auch in geringer Höhe. Gelegentlich wird dafür ein monatlicher Mindestzahlungseingang erwartet. Dies ist also bei der Entscheidung für oder gegen eine Bank ebenso zu berücksichtigen wie die Höhe der Zinsen für den Dispositionskredit. Kann es immer mal dazu kommen, dass das Konto vorübergehend im Minus geführt wird, stehen teilweise kräftige Zinszahlungen für den sogenannten Dispo an. Die Höhe dieser Überziehungsmöglichkeit legt die Bank fest. Sie richtet sich dabei nach der Höhe der regelmäßigen Zahlungseingänge und der Bonität des Kontoinhabers. Bei guter Bonität sind etwa drei Netto-Monatsgehälter als Dispositionskredit üblich. Neben der Zinshöhe sollte generell das Ausschöpfen des Dispo gut bedacht werden; er gilt als teuerstes Bankprodukt überhaupt.

Neukundenprämien

Bei der Anwerbung von Kunden für Gehaltskonten wird inzwischen das praktiziert, was bereits erfolgreich im Stromvertrags- oder Handygeschäft eingesetzt wird: Es werden Prämien gezahlt für die Einrichtung eines Gehaltskontos insbesondere bei einem Wechsel von einer anderen Bank.

Jedermann- und P-Konto

Seit den neunziger Jahren sind neben den Sparkassen nun auch Banken verpflichtet, jedem Bürger ein Zahlungskonto als sogenanntes Jedermann-Konto einzurichten. Dieses Girokonto, das auch Menschen ohne festen Wohnsitz und ohne feste Zahlungseingänge erhalten können, wird auf Guthabenbasis geführt. Ein Pfändungsschutzkonto, das sogenannte P-Konto, wird auf Verlangen des Kontoinhabers eingerichtet, wenn es zu einer Kontopfändung kommt. Dabei wird das bisherige Gehaltskonto in ein P-Konto umgewandelt und schützt den Schuldner vor dem Verlust seines Existenzminimums, in dem dieser über den pfändungsfreien Betrag verfügen kann.

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